Persönlicher Kommentar:»Ich glaube, ein Mann will von einer Frau das gleiche wie eine Frau von einem Mann: Respekt.« Clint Eastwood Dieses zunächst nichtssagend und vereinfachend wirkende Zitat bringt es auf den Punkt: Respekt ist nicht der abstrakte, unwirkliche Begriff, der in zahlreichen bildungspolitischen
Debatten inhaltsleer eingeworfen und eingefordert wird. Auch ist er nicht das vielfach beschworene Damoklesschwert, das über der modernen Erziehung baumelt und die Abkehr von autoritativen und auf Gehorsam ausgerichteten Erziehungsvorstellungen zunichte zu machen droht. Ganz im Gegenteil, richtig verstanden ist er Grundlage des menschlichen Zusammenlebens und berührt den Kern der individuellen und beruflichen Identität von Lehrern. Ein Lehrer will von einem Schüler zunächst einmal nichts anderes: Respekt. Diesen darf und wird der Schüler selbstverständlich auch vom Lehrer erwarten. Wie und in welcher Gestalt sich Respekt im schulischen Kontext einstellen kann, welche Faktoren für seine Entstehung von Bedeutung sind und woran Respekt in der Schüler-Lehrer-Beziehung scheitern kann, sind meine Interessen. Meine persönlichen Begegnungen mit Respekt in all seinen
Facetten verliefen zunächst eher indirekt: Bereits in der Mittelstufe gehörte es zum Selbstverständnis meiner damaligen Schule, den Schülern im Rahmen von »Streitschlichter-Seminaren« einen respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln, ohne dass der Begriff Respekt dabei explizit eine Rolle spielte. Auch in der täglichen Arbeit mit geistig behinderten Menschen im Zivildienst war Respekt vor dem Gegenüber natürlich ein sehr wichtiges Element, ohne dass jedoch das Etikett Respekt jemals verwendet oder reflektiert wurde. Erst in den im Laufe meines Lehramtsstudiums abzuleistenden Praktika erfolgte eine differenziertere Begegnung und Auseinandersetzung mit der Thematik: Die ersten eigenen Unterrichtsversuche vor der vielzitierten und -diffamierten Hauptschulklasse, erfolgreiche und weniger erfolgreiche Stunden, Gespräche mit verschiedensten
Schülern und die erstmalige Übernahme der Lehrerrolle führten dazu, dass ich mir verstärkt Gedanken darüber machte, wie ein respektvoller Umgang erreicht werden kann, woran dieser in einer bestimmten Stunde möglicherweise scheiterte und in welcher Weise sich das eigene Verhalten optimieren lässt.