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[Ein kurzer Einleitungstext, der um das Bild fließt – dazu am besten ein kleineres nehmen…]


Ein großer Teil der derzeitigen Diskussion widmet sich unisono der zunehmenden Respektlosigkeit von Kindern und Jugendlichen. Die Fachwelt bezieht sich dabei sowohl auf die Ausbildung an Schulen und weiterführenden Einrichtungen, als auch auf die Bedeutung von Respekt im familiären System.
Gerade bezogen auf Erziehung wurde dem Begriff “Respekt” in den vergangenen drei Jahrzehnten misstrauisch begegnet. Die gesellschaftliche Revolution der 60er und 70er-Jahre spülte Respekt und Autorität nahe an den Abgrund der Bedeutungslosigkeit, Respekt schien antiquiert und Gegenteil von Freiheit und Selbstentfaltung.
Nun stellen sich neue Fragen, unbequem und unausweichlich: Warum fehlt in Schulen der Respekt voreinander? Und welche Rolle spielt er in Familien? Gibt es gar einen Zusammenhang zwischen der Präsenz des Begriffes “Respekt” unter Jugendlichen und Respektsbekundungen in ihrer Kultur auf der einen Seite – und Lehren und Eltern die Respekt vermissen auf der anderen?
In der letzten Zeit werden diese Fragen innerhalb von Pädagogik und Psychologie immer ernster genommen. Erste Programme, die sich an Eltern und Lehrer richten, kitten die entstandenen Risse, umschiffen aber oft die generelle Bedeutung von Respekt.
Gerade in der Erziehung geht es also um aktuell gelebten Respekt, akute Familien- oder Schulprobleme. Langfristig aber eben um mehr: Die Grundsteinlegung für eine respektvolle Gesellschaft und Staatengemeinde der Zukunft.
Ob Globalisierung oder innerstaatliche Solidargemeinschaft: Wo Gesetze an ihre Grenzen getragen werden, braucht es ein anderes Mittel des zwischenmenschlichen Miteinanders. Denn in einer immer komplexeren Umwelt ist es kaum noch möglich, eine Steuerung in Form von zentralen Instanzen der Gesetzgebung zu etablieren, die jeden Winkel des Lebens regulieren könnte. Dort, wo zentrale Steuerung versagt, braucht es anscheinend andere Formen der Steuerung, beispielsweise in der Form einer Kontextsteuerung wie bei Willke oder der Steuerung über gegenseitigen Respekt. Eine Zurückgabe der Kontrolle an die Systeme auf individueller oder sozialer Ebene selbst und somit eine Rückgabe der zentralen Annahmen, die den ansonsten bspw. staatlich geregelten Grundsätzen innewohnt und aus denen diese ja ursprünglich über lange legislative Prozesse aber insbesondere auch über die Auseinandersetzung mit Religionen entstanden sind, ist jedoch nur sinnvoll, wenn diese Systeme gleichzeitig befähigt sind, auf sich gegenseitig erhaltende Weise zu reagieren. Gegenseitiger Respekt kann genau diese Funktion übernehmen, denn er befähigt eine Gesellschaft dazu, mit größerer Komplexität umgehen zu können, ohne sogleich an die Restriktionen der Gesetzgebung zu stoßen.
Management-Schlagworte von “Team” bis zu “Unternehmenskultur” füllen Bücher und Bände. Eine Basis des in diesen Konzepten beschriebenen Zusammenfindens und Arbeitens stellt der zwischenmenschliche Respekt dar. Denn anscheinend vermag Respekt die Lücke der Interaktionsqualitäten im Unternehmen zu füllen, die höher liegt oder vielmehr liegen sollte als die bloße Akzeptanz aber niedriger als etwa die partnerschaftliche Liebe. Das Gefühl “respektiert zu werden” bewirkt in diesem Kontext häufig ein Über-Sich-Hinauswachsen (Extra-Role-Behaviour), ohne den faden Beigeschmack des Dabei-Ausgenutzt-Werdens.
Ein Management, das diesen Kern erkennt und nicht bloß als Tool der Effizienzsteigerung einsetzen will, kann sich unter Anwendung dieser Maximen auch des Respektes seiner Mitarbeiter versichern. Respekt beinhaltet Kernanahmen der Partnerschaftlichkeit, gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung, die eine beeindruckende Unternehmenskultur auch jenseits der New-Economy erblühen lassen können. So scheint es, dass insbesondere Unternehmen mit einer gelebten Firmenphilosophie, sei es in Form des Familien-Patriarchen aber auch in Form von Leitbildern, es schaffen, dieses gewisse Mehr in ihren Kulturen zu etablieren. Dass dabei neben den organisationalen Rahmenbedingungen natürlich den jeweiligen Führungskräften eine exponierte Rolle zukommt, scheint nur allzu einsichtig. Diese bieten nicht nur in ihrer Einstellung sondern auch durch ihre Taten und Kommunikation eine symbolisierte Identifikationquelle für zahlreiche Mitarbeiter.
Allzu häufig muss man sich jedoch heutzutage fragen, ob nicht die an sich wichtige Internalisierung dauerhafter Werte unter die Räder vieler moderner Aktienkurs-Orientierungen gerät und hier einem kurzfristig orientierten Hedonismus Platz macht, welcher zwar morgen gute Zahlen liefert, aber übermorgen schon das menschliche Miteinander und somit auch die Basis des Unternehmens und des Standortes gefährdet.
Ben SahlmüllerFoschungsschwerpunkte & -projekte